| Freigegeben von Mathias am Donnerstag, 17.Juni 2010, 15:40:11
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| Berufsorientierung hat zahlreiche gute Beispiele | Mathias am Donnerstag, 17.Juni 2010, 15:40:11 Prenzlau/Frankfurt/Oder (spz). „Immer dann, wenn wir Firmen – egal, ob Wirtschaftsbetriebe oder Handwerksunternehmen – besuchen, konfrontieren uns die Chefs mit dem Problem des fehlenden Fachkräftenachwuchses.
Die Zeiten, in denen sich die Betriebe ihre Azubis noch wirklich aussuchen konnten, scheinen vorbei zu sein“, sagt Bürgermeister Hendrik Sommer. Aus diesem Grunde auch setzt die Stadt, die vertreten durch den Bürgermeister und die Wirtschaftsförderung in den verschiedensten Gremien und Netzwerken aktiv mitarbeitet, vor allem auf die enge Zusammenarbeit zwischen Schule und Wirtschaft. „Den Jugendlichen muss frühzeitig begreiflich gemacht werden, dass Leistung gefragt ist, um auf dem Arbeitsmarkt zu bestehen. Und sie müssen, um letztlich die für sie richtige Berufswahl treffen zu können, die Chance haben, sich über Ausbildungsmöglichkeiten, Jobanforderungen und Berufsbilder zu informieren.“ Es gibt zahlreiche Beispiele der Umsetzung dieser Zielstellung. Der Tag der Berufe gehört ebenso wie der Bewerberstammtisch dazu. „Seit Jahren bereits nimmt die Philipp-Hackert-Oberschule, was diese Aktivitäten anbelangt, eine führende Stellung ein.“
Dass die Schule weiß, was sie an guten Kooperationen hat, zeigte sich jetzt bei der kürzlich in Frankfurt/Oder veranstalteten „Ehrung von Unternehmen mit ausgezeichneter Berufsorientierung". Hier wurde das Landhotel Dedelow, vorgeschlagen von der Philipp-Hackert-Oberschule als eben solcher Betrieb ausgezeichnet. Bereits das vierte Mal nahmen die Handwerkskammer Frankfurt/Oder, die IHK Ostbrandenburg und das Netzwerk Zukunft, Schule und Wirtschaft für Brandenburg die Ehrung vor. Ebenfalls ausgezeichnet wurde auf Vorschlag der aktiven Naturschule die ENERTRAG AG.
„Beiden Unternehmen wird von den Schulen, die im Rahmen verschiedener Projekte mit den Firmen zusammenarbeiten, eine ausgezeichnete Unterstützung der jungen Leute im Rahmen der beruflichen Orientierung bescheinigt“, so Susanne Ramm, Mitarbeiterin der Wirtschaftsförderung der Stadt Prenzlau. „Solche Aktivitäten in den Vordergrund zu rücken, sich für das Engagement der Unternehmen zu bedanken und gleichzeitig deren Vorbildwirkung hervorzuheben, ist wichtig.“ Gerade angesichts der zunehmenden qualitativen Probleme der Bewerber. Hinzu käme, dass in den kommenden Jahren zusätzlich auch noch mit einem quantitativen Bewerberschwund zu rechnen sei, da sich der Geburtenrückgang nach 1990 bemerkbar mache.
„Es gab dazu auf der Veranstaltung einen sehr beeindruckenden Vortrag von Prof. Dr. Stephan Kudert von der Europauniversität Viadrina. Er zitierte top-aktuell Sokrates, der vor hunderten von Jahren bereits die Jugend mit Worten beschrieb, wie man sie besser heute nicht finden könnte: sie liebt den Luxus, hat schlechte Manieren, verachtet die Autorität, hat keinen Respekt vor Älteren und schwatzt, wo sie arbeiten sollte. – Das, worüber wir uns oft beklagen, sei also nichts Neues“, so Ramm. „Dennoch: Die Probleme sind vorhanden – vor allem in Ostdeutschland. Aber nicht nur hier, sondern im gesamten Bundesgebiet.“ Die Wirtschaft stelle klare Forderungen, die jedoch oft nicht oder nur teilweise erfüllt würden. „Zu den Ansprüchen gehören ein gutes Deutsch in Wort und Schrift, Englischkenntnisse, Grundkenntnisse in den Naturwissenschaften und die Beherrschung der Grundrechenarten. Das sind keinesfalls übertriebene Erwartungen. Doch zunehmend können nicht einmal diese von den Jugendlichen erfüllt werden. Hier sagt Prof. Kudert ganz deutlich: ‚Da muss die Schule ran bzw. die Verantwortlichen der Rahmenlehrpläne!’“. Zudem fehle es oft an den sogenannten Sekundärtugenden wie Sozialverhalten, Teamfähigkeit etc. „Hier sind die Eltern gefragt, denn sie sollten schließlich schon ab der Geburt gewisse Grundlagen der Kommunikation schaffen. Der Viadrina-Professor hat das sehr gut formuliert: ‚Kommunikation bedeutet Reden und Zuhören - und das wohlbemerkt im Wechsel.’“ Dem quantitativen Problem sei künftig sicherlich nur schwer zu begegnen. „Was die qualitativen Dinge anbelangt, sind jedoch alle gefragt: Eltern, Schule, Wirtschaft und Politik müssen versuchen, Lösungen zu finden und an einem Strang ziehen.“
Dass dies bereits im Rahmen einiger Kooperationen gelingt, belegt das Beispiel der ausgezeichneten Firmen und der Schulen, die ihre Partner für die Ehrung vorschlugen und damit ein Achtungszeichen setzten.
„Die Stadt Prenzlau unterstützt Aktivitäten dieser Zusammenarbeit und begleitet Schulen wie auch Unternehmen mit Rat und Tat“, sichert Bürgermeister Hendrik Sommer zu. Er ist gewiss, dass im gemeinsamen Handeln ein Lösungsansatz zu finden sei und man in Zukunft noch eine Reihe sinnvoller und nachhaltiger Projekte in diesem Zusammenhang realisieren werde.
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